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Frédéric Belser

Die Farben Schwarz und Grau

Ist Schwarz überhaupt eine Farbe? Im Weltall gibt es das tiefste Schwarz: Das absolute Schwarz ist in physikalischer Definition die Farbe eines Körpers der alles Licht schluckt. Die theoretische Antwort auf die anfangs gestellte Frage: Ja, Schwarz ist eine unbunte Farbe.

In der Symbolik ist Schwarz die Farbe des Schlechten und die Farbe der Negation. Merkwürdigerweise ist Schwarz die Lieblingsfarbe von vielen Menschen.

Der Maler Wassily Kandinsky beschrieb das Schwarze so: Und wie ein Nichts ohne Möglichkeit, wie ein totes Nichts nach dem Erlöschen der Sonne, wie ein ewiges Schweigen ohne Zukunft und Hoffnung klingt innerlich das Schwarz.

Der "Schwarzmaler" Pierre Soulages (geb. 1919) schenkte seinem Dorf Rodez in Südfrankreich, wo sein eigenes, 2014 eröffnetes Museum, steht 500 seiner schwarzen Bilder. Seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit verwendet er ausschliesslich und nach über 80 Jahren immer noch nur die schwarze Farbe (monochrom) aus Kohle, Bleistift, Pastell, Lack, Teer, Öl, Acryl auf Mateialien wie Holz, Blech, Aluminium, Leinwand, Karton, Papier etc. Er unterscheidet mit Recht "warmes" Schwarz (Beimischung von wenig Rot) und "kaltes" Schwarz (Beimischung von wenig Blau).

In der christlichen Farbsymbolik wandelt sich die Farbe des Todes: Schwarz ist die Trauer um den irdischen Tod, Grau symbolisiert das jüngste Gericht, Weiss ist die Farbe der Auferstehung. Deshalb ist Kleidung der Trauernden schwarz, die der Toten jedoch weiss (Leichenhemd), denn sie sollen auferstehen.

Für uns "weisse Menschen" ist weiss die ideale Farbe, die Freudenfarbe. Für Menschen mit anderer Hautfarbe, ist Weiss Trauerfarbe. Dabei ist Weiss nicht als Farbe gemeint sondern als Fehlen aller Farben ergo Mangel an Farben. Bei diesen Völkern ist Schwarz Symbolfarbe der Fruchtbarkeit, im Gegensatz zum weissen Tod. Im alten Ägypten war Gelb die Trauerfarbe, das Symbol des ewigen Lichtes.

Die Farbe Schwarz wird verbunden mit Egoismus, Bedrängnis, Schuld , Lüge.

Der finanzielle Verlust an der Börse passierte an einem "schwarzen Freitag". Beim Kartenspiel ist der Schwarze Peter unerwünscht. Die einzige schwarze Gestalt, die Abergläubischen gefällt und Glück bringt, ist der Kaminfeger. Im Gegensatz dazu der "Schwarze Tod", im Mittelalter die fürchterliche Pest-Epidemie. Schwarz wurde zur Grundfarbe der Geistlichen. Auf die Kirche bezogen ist auch heute noch" ein Schwarzer" ein Geistlicher. Die Kirche ist eben eine konservative Kraft.

Schwarz wurde auch zur Farbe des politischen Konservatismus. Um 1480 wütete in Spanien die heilige (!) Inquisition. Es begann ein Jahrhundert der absoluten Frömmigkeit mit der schwarzen Farbe, die am spanischen Hof seit langem herrschte. Philipp III. (1578 - 1621) Karl (1500 -1558), Karl II. (1661 -1700): 100 Jahre religiöser Fanatiker.

Die Inquisition herrschte immer noch als in Deutschland die Reformation siegte. Die fromme Bescheidenheit der Protestanten - im Gegensatz zum Maximal-Luxus der degenerierten, päpstlichen Kirche - zeigte sich in ihrer schmucklosen, schwarzen Kleidung. "Vor Gott sind alle gleich - auch gleich gekleidet".

Luther's schwarzer Talar wurde zur Tracht aller bürgerlichen Autoritäten. Vor dem 2. Weltkrieg sagte Christian Dior: Eleganz ist eine Mischung aus Vornehmheit, Natürlichkeit, Sorgfalt und Einfachheit. "Schwarz ist Eleganz ohne Risiko." Gilt auch für die Herrenmode sehr deutlich: Smoking, Frack sind meistens schwarz. Bei den Damen "das kleine Schwarze" von Coco Chanel (1930).

In Italien tauchte Schwarz 1919 als Farbe einer faschistischen Bewegung auf. Sie nannte sich zuerst "Arditi", "Draufgänger", das Ziel: die Zerschlagung der sozialistischen Bewegung. Ihr Kennzeichen: ein schwarzes Hemd.

Schwarz wurde zur faschistischen Farbe mit gleicher Absicht wie Braun die Parteifarbe der Nazi wurde.

Elfenbeinschwarz ist aus verkohltem Elfenbein, Beinschwarz aus verkohlten Knochen, Rebschwarz aus verkohltem Holz der Weinreben.



Noch etwas zu Schwarz und Weiss:

Ohne Schwarz und Weiss gibt es kein GRAU. Es ist bekannt, dass ein weisses Quadrat auf schwarzem Grund grösser wirkt als ein gleich grosses, schwarzes Quadrat auf weissem Grund. Das Weiss strahlt aus und überstrahlt die Begrenzung, während das Schwarz zusammenzieht (Johannes Itten).


GRAU

Im Kapitel: "Die Farbe verhält sich wie der Mensch" im hochinteressanten Buch "Kunststoffe" (1976) von Margit Weinberg-Staber, der bekannten Kunsthistorikerin, sagt sie zum Kunstkonzept von Josef Albers: Besondere Liebe galt der Variation in Grau: der Interpretation von Grau als Farbe in warmen und kalten Tönen. Die klassische Einfachheit der ursprünglichen "Squares" bleibt jedoch unübertroffen.

Ich persönlich bin froh, in so guter Gesellschaft zu sein, denn auch ich bin von GRAU fasziniert.

Seine verschiedenen Nuancen und seine Wandlungsfähigkeit. seine "Zartheit" sind eindrücklich und hochinteressant.

Von den ca. 110 - 120 Bildern, die ich in 50 Jahren gemacht habe, ist ein Acrylbild auf Leinwand von 90 x 90 cm mein liebstes, war aber auch das schwierigste zu realisieren. Es hat verschiedene Namen je nach Ausstellungsort erhalten: "Rot in grauer Harmonie" oder "Graustufen bis zum roten Zentrum". Leider wurde es bei einem Transport stark beschädigt.

Der November mit seinen verschiedenen grauen Himmeln ist wirklich nicht mein Lieblingsmonat. Die Vielfalt und die verschiedene Leuchtkraft des liegenden Nebels oder Himmels sind aber sehr oft recht Interessant.

In der Farbsymbolik und der Farbpsychologie kommt GRAU ganz schlecht weg: "es ist die Farbe ohne Charakter," die Farbe aller trüben Gefühle, "lass Dir keine grauen Haare wachsen", mach Dir keine Sorgen.

In Amerika nennt man "Gray areas" Arbeitslosen-Gebiete. Der "graue Alltag" ist auch bei Sonnenschein trübe und langweilig. In Goethe's Faust sagt Mephisto zu Wagner: Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum. Sprachliche Nähe: Grau ist das Grauen, das Grausen, das Grauenhafte, grausam.

Als Grau wird ein Farbreiz bezeichnet, der dunkler als Weiss und heller als Schwarz ist. Aber keinen farbigen Eindruck (Farbvalenz) erzeugt. Grau besitzt keine Buntheit, es ist eine unbunte Farbe (Quelle: Google).

Historische Bedeutung:
Graue Eminenz = Person mit heimlicher Macht.

Symbolische und psychologische Wirkung:
Grau ist die elegante Farbe des Unscheinbaren, der Pünktlichkeit, des Grauens, des Minderwertigen, des Alters.

Grau-Weiss bedeutet Neutralität, Nüchternheit, Nachdenklichkeit
Quelle: Peter Lepke


GRISAILLE -Malerei ist eine Maltechnik, deren Farbigkeit auf Grautöne reduziert ist.

Man nannte das Grau-in-Grau auch Malerei in den Totfarben: grau, weiss, schwarz.

Die Zisterziensermönche, grau gekleidet, duldeten als erster Orden keine Farben mehr in der Kirche. Selbst die farbigen Kirchenfenster wurden 1134 verboten. Die Fenster wurden grau-in-grau übermalt. Giotto malte um 1300 in Padua in der Arena-Kapelle "Die sieben Laster" in Grau-in-Grau Manier.

Kapuziner und Zisterzienser gelobten höchste Armut und trugen graue Kutten. Ab dann war Grau die Farbe der Entbehrungen und der Demut. Später im 19. Jahrhundert wurden Waisenkinder, Insassen von Armenhäusern und Gefängnissen mit dem ursprünglichen, schlichten Grau gekleidet.

Die französischen Grisetten:
Kennzeichen arbeitender Frauen: Putzfrauen, Näherinnen, Mädchen und Frauen aus den ärmsten Familien.

Die sprichwörtliche graue Maus ist auch heute noch eine unscheinbare Person.

"Bei Nacht sind alle Katzen grau" will heissen: solange niemand davon weiss, soll Verbotenes erlaubt sein. Und dann noch die Grauzone, der graue Markt, der den Zwischenhandel ausschaltet.
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Grautonstufen bis zu rotem Zentrum
90 x 90 cm, Acryl auf Leinwand