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Frédéric Belser

ROT

Wellenlänge 800 - 650 Nanometer (nm)
Schwingungszahl 400-470 Billionen

Am Anfang war das R O T. Die älteste Farbbezeichnung in den Sprachen der Welt. Das ganz reine Rot, das weder gelb noch blau enthält, wird Magenta genannt. Rot ist geprägt von zwei elementaren Erfahrungen: rot ist das Blut und das Feuer (Glut). Entsprechend tief ist die Symbolik im Bewusstsein verankert. In vielen Kulturen wird der Sitz der Seele (Blutopfer) mit rot gemalt. Rot ist auch die Farbe aller Leidenschaften: die Liebe, Leidenschaft, Wut, Zorn, Erotik. Rot ist auch die Farbe des Krieges: der rote Planet Mars, der Kriegsgott. Ebenso alt wie der Glaube an die Kraft des Blutes ist die Verehrung des Feuers als göttliche Kraft. Rot ist die Wärme, die Hitze. Das Feuer ist auch Sinnbild des Göttlichen. Moses sieht Gottvater als brennenden Dornbusch. Im frühen Mittelalter galten nur die reinen, schönen Kleiderfarben für die Reichen und Adligen als erlaubt resp. tragbar. Das Gesetz schrieb für die Armen, die Bauern, das Volk "unreine" dunkle, braune, schwarze Kleiderfarben vor.
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Komplementär Rote Rotation
Die Geschichte der roten Textilfarben ist ein Kapitel des Luxus. Könige in purpurroten Mänteln, Kardinäle im Kardinalspurpur. Mit der Farbe Purpurrot meint man die Symbolfarbe der Macht (z.B. auch die Talare der Richter). Der echte Purpur ist violett, die kostbarste Farbe der Antike. Die Herstellung von Purpur (sehr teuer) war das bestgehütete Geheimnis der kaiserlichen Färberei am byzantinischen Hof. Als das "Rezept" seiner Herstellung verloren ging (Untergang von Konstantinopel) wurde aus Purpur die Farbbezeichnung "rot". Aus dem violetten Purpur wurde roter Purpur. Die Farbe stammt aus den Eiern von Kermesläusen, die mit einem roten Saft gefüllt sind.

Rot ist die häufigste Farbe in Flaggen, denn man sieht sie besser. Schon im Mittelalter war rotgefärbtes Tuch sehr lichtbeständig. Die Jakobiner erklärten die rote Fahne 1792 zur Freiheitsfahne. Bei den Aufständen der Lyoner Seidenweber 1834 wurde sie zur Fahne der Arbeiterbewegung. 1907wurde sie zur Fahne des Sozialismus und Kommunismus. Rot ist also auch die politische Farbe des Marxismus-Leninismus. Auf Russisch heisst "rot" krasnij, schön, herrlich, gut, wertvoll heisst krasiwij. Die "Roten" bedeutet gleichzeitig "die Guten". Der "Rote Platz" in Moskau ist auch der "schöne Platz", die "Rote Armee" ist die "herrliche Armee". Der Antikommunismus spricht von der "roten Gefahr", nennt die Volksrepublik China "Rotchina". Je nach politischer Gegnerschaft verbindet man mit "die Roten" auch die Sozialdemokraten, Linksradikale oder gar Terroristen. Gemäss Historikern und Psychologen wählte Hitler bewusst rot als Grundfarbe des Hakenkreuzbanners, denn er brauchte die Arbeiterbewegung für seine entstehende Massenpartei.

Die psychologische Wirkung von rot: auf die Frage "wofür steht rot?" antwortet knapp die Hälfte "für Gefahr" und ein Drittel "für das Verbotene".
Im Strassenverkehr wendet man automatisch die moderne Farbsymbolik an. Die wichtigste Farbe ist rot. Ein sehr wichtiges Farbsymbol, das unbedingt von allen beachtet werden muss (auch von Farbenblinden). Es wird durch Symbolik verstärkt: das rote Licht ist immer oben, grün unten. Rot ist bei Tag und Nacht die unnatürlichste und damit auffälligste Farbe in der Umgebung von Himmel und Landschaft. Für Unmoralisches ist häufig rot die Symbolfarbe: Rotlicht-Milieu. Rot galt als typische Haarfarbe der Dirnen. Früher wurden rothaarige Frauen als Hexen verbrannt, rothaarige Männer galten als mit dem Teufel im Bunde. Zum Schluss ist rot die Farbe der Korrektur und der Kontrolle. Die Schulkinder lernen, was der Rotstift bedeutet. Für die Hausfrau: rot signalisiert Preisreduktionen, die Ankündigung des Ausverkaufs. Die Pflegefachfrau trägt mit dem Rot-blau-Stift die Temperatur des Patienten rot auf dem Kontrollblatt ein. Wer "rote Zahlen schreibt" macht Verlust.

Jetzt noch zum "roten Faden", der sich durch eine Geschichte zieht. Der Ursprung hat nichts zu tun mit dem Faden der Ariadne, den sie Theseus gab, damit dieser sich aus dem Minotaurus-Labyrinth retten konnte. Vor vielen Jahren wurden häufig die Schiffstaue der englischen Marine gestohlen. Daraufhin erfanden die Matrosen eine raffinierte Methode, um ihre Taue vor Diebstahl zu schützen: in alle Taue wurde ein roter Faden eingedreht. Um ihn zu entfernen, hätte das ganz Tau zerlegt werden müssen. Der rote Faden bei jedem Tau, beim dünnsten Seil, verwies auf die englische Marine als Eigentümerin.


Wie entstehen Himmelsblau und Morgen- resp. Abendrot ?

Tagsüber erscheint der wolkenlose Himmel blau, morgens oder abends jedoch orange bis rot.

Die Himmelsfarbpalette hat einiges zu bieten: es wechseln sich blau, weiss und grau, gelb, rot und orange ab. Nimmt man noch den Regenbogen dazu, scheint die Farbenfreude grenzenlos. Der wolkenlose Himmel wird tagsüber von blau dominiert, obwohl sich dahinter die Schwärze des Weltalls befindet. An schönen Abenden präsentiert sich der Himmel manchmal in einem atemberaubenden Rot, obwohl die Sonne in derselben Farbe wie am Tag scheint. Das Geheimnis, das sich hinter dieser Farbenvielfalt verbirgt, ist: Sonnenlicht wird in der Atmosphäre gestreut.

Gestreutes Licht
Die Physiker sagen, dass das Licht gestreut wird. Immer wenn wir nicht direkt in die Sonne blicken, sehen wir ausschliesslich gestreutes Licht, das über ein paar Umwege von der Sonne in unser Auge gelangte. Daher ist es das gestreute Licht, das die Farbe des Himmels bestimmt.

Das Sonnenlicht erscheint uns zwar gelblich-weiss, doch setzt es sich aus allen Spektralfarben des Regenbogens zusammen: von violett über blau, grün, gelb, orange bis hin zu rot. Jede dieser Farben entspricht elektromagnetischer Strahlung einer bestimmten Wellenlänge. Diese Wellenlänge ist bei Blau die kürzeste, bei Rot die längste.
Die verschiedenen Wellenlängen spielen eine wichtige Rolle, wenn das Sonnenlicht auf dem Weg durch die Atmosphäre mit verschiedenen Gasmolekülen zusammenstösst und dabei seine Richtung ändert.

Je kürzer die Wellenlänge desto stärker die Streuung. Blaues Licht wird demnach stärker gestreut als rotes. Bei hohem Sonnenstand ist der Weg des Sonnenlichts durch die Atmosphäre relativ kurz, es wird dabei hauptsächlich Blau gestreut, so dass uns der Himmel blau erscheint. Bei tiefem Sonnenstand ist der Weg des Lichts durch die Atmosphäre viel länger. Durch die Streuung vermindert sich der Blauanteil so stark, dass Rot überwiegt.
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Warum sind Wolken weiss?
Die Wassertropfen beziehungsweise die winzigen Eiskristalle in den Wolken sind weit grösser als die Wellenlänge des Lichts. Und so werden daran alle Wellenlängen des Sonnenlichts reflektiert, so dass uns Wolken weiss erscheinen.