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Frédéric Belser

Kurzer Exkurs über die historische Farbenlehre

Der grossartige Forscher, Physiker, Erfinder Isaac Newton (1643 - 1727) hatte bereits ein Jahrhundert vor Goethe (1749 -1832) gezeigt, dass das Sonnenlicht alle sichtbaren Farben enthält:

Er lenkte einen Lichtstrahl auf eine Seite eines dreikantigen Glasprismas und sah, dass das Prisma einen Lichtstrahl auffächerte und auf der anderen Seite ein Regenbogenband von Rot - Orange - Gelb - Grün - Blau - Blauviolett- Rotviolett projizierte.

Das weisse Licht ist die Summe aller sieben Lichtfarben (oder Regen­bogen­far­ben) genannt Spektralfarben.

1810 druckt der 63-jährige Freiherr Johann Wolfgang von Goethe seine Farblehre, in die er über den genialsten Natur­wissen­schafter aller Zeiten, den gefeierten Isaac Newton lästert, und ihn stürzen will.

Goethe's Farbenlehre besteht aus drei Büchern: einem “Didaktischen Teil", einem "Polemischen Teil" - der allerwichtigste - mit dem Untertitel "Enthüllung der Theorie Newtons" und dritter Teil: "Materialien zur Geschichte der Farbenlehre".

Goethe nahm für seine Experimente Malfarben, also Materie. Malfarben und der Malgrund seines Farbenkreises schlucken so viel Licht, dass bestenfalls ein helles Grau entsteht. Die Mischung von Malfarben, aller materiellen Farben, ist eine subtraktive Farbmischung (J. Itten). Jede weitere Farbe subtrahiert Licht, macht also die Mischung dunkler.

Er schrieb in seiner Farbenlehre: "Dass alle Farben zusammengemischt Weiss machen, ist eine Absurdität, die man nebst andern Absurditäten schon ein Jahrhundert gläubig und dem Augenschein entgegen zu wiederholen gewohnt ist." (Quelle: http://www.wissen-im-netz.info/literatur/goethe/werke/farbenlehre/1-iii/44.htm).
Er war überzeugt, dass seine Farbenlehre, ihn weltweit berühmter machen würde als sein Faust.

Aber: nur die Farben des immateriellen Lichts, also die Spektralfarben, addieren sich zu Weiss.

Seit über 100 Jahren ist der Farbenstreit endgültig beendet. Weltweit gilt der Zwölfteilige Farbkreis, der Zwölfteilige Farbstern vom Schweizer Professor Johannes Itten (1888 -1967) als alleingültige Farbenlehre und von ihm erfunden. Durch seine Lehrtätigkeit und Arbeiten am Bauhaus in Weimar wurde er zum Begründer der Farbtypenlehre.

1960 wurden in der Druckerei des Otto Meier Verlages in Ravensburg die Farbtafeln gedruckt. Dies mit enormen Schwierigkeiten, denn Johannes Itten bestand darauf, die Andrucke selbst zu beaufsichtigen. Während mehr als zwei Wochen wurden die Druckproben laufend besprochen, die Farbmischungen geändert und verbessert. Schon damals plante Itten ein kleineres, weniger umfangreiches Buch seiner Farbenlehre, jedoch weitgehend mit den gleichen Abbildungen. Ein viel grösserer Kreis von Interessenten sollte angesprochen werden, vor allem Schüler und Studenten. Mit dem grossen Buch "Kunst der Farbe" (erstmals erschienen 1961) wäre dies nicht möglich gewesen.

Während des Unterrichts an einer privaten Kunstschule in Berlin (1926 - 1934) wurde Itten auf die "subjektiven Farben" bei seinen Schülern aufmerksam.

Diese unterschiedlichen Farbbegabungen konnte er nun durch den Hinweis auf die objektiven Gesetzmässigkeiten und die sieben Farbkontraste seiner Farbenlehre fördern. Itten's Farbenlehre wurde zum entscheidenden Bestandteil des Unterrichts an der Textilen Flächenkunstschule in Krefeld. Das Kolorieren der Stoffentwürfe, Modefarben, Formen und Farben erfordert eine umfassende Kenntnis der Farben und ihrer Gesetzmässigkeiten.

Als Itten Direktor der Kunstgewerbeschule (1938 - 1954) und der Textilfachschule (1943 - 1960) in Zürich war, unterrichte er die Farben- und Formenlehre immer selbst, denn er wollte unbedingt den persönlichen Kontakt zum einzelnen Schüler.

1944 veranstaltete er im Kunstgewerbemuseum Zürich die berühmte Ausstellung "Die Farbe". Der systematische Teil der Ausstellung wurde in mehreren Städten in der Schweiz und Deutschland gezeigt. Übrigens wurde 1916 Sophie Taeuber - eine der Ur-Konkreten - Leiterin der Textilklasse der Kunstgewerbeschule Zürich.


Es haben sich historisch verschiedene Gelehrte und Forscher um die Farbenlehre bemüht, z.T. mit Farbexperimenten:

Aristoteles (ca. 350 v. Chr.) Farben im Tagesverlauf:  weiss-gelb-rot-violett-grün-blau-schwarz.
Leonardo da Vinci (1452 -1519) „Farbige Schatten“
Isaac Newton (1643 -1727)
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832) Farbkreis, 3 Bücher
Thomas Young (1773 -1829) 3 Farbenzentren des Auges
Hermann Grassmann (1809 -1877) Vier Farbgesetze
James C. Maxwell (1831-1879) Das Farbdreieck
Hermann L. von Helmholtz, Prof. Dr. med. Augenarzt: Seine Koordinaten
Wilhelm Ostwald (1853 -1932) Professor in Leipzig, 1909 Nobelpreis für Chemie.

Ostwald schreibt von sich: "Ich habe inzwischen die Farbenlehre von Grund aus neu bearbeitet und bin jetzt so weit in der quantitativ begründeten Chroma­tik ge­langt, dass ich auch das alte Problem von der Harmonie der Farben grundsätzlich gelöst habe. – Ich habe ungefähr fünf Jahre unausge­setzt und mit aller Anspannung an dieser Sa­che gearbeitet und glaube, es ist das beste geworden, was ich in meinem Le­ben gemacht habe."