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Frédéric Belser - Künstler


Meine Malerei

Schon als Jugendlicher habe ich die verschiedensten Techniken versucht: Blei- und Farb- resp. Filzstifte, Tusche, Kohle, Pastell, sogar die sehr schwierige Aquarell-Tech­nik, Öl und Acryl.

Schock und Erleuchtung zugleich war die grossartige Ausstellung 1949 "Konkrete Zürcher Kunst". Sie war von Max Bill organisiert und kuratiert worden und wanderte danach als Riesenerfolg durch ganz Deutschland.

Piet Mondrian's Ausstellung seiner Rechtecke im Kunsthaus Zürich 1955 war mit ein Grundstein.

Als Farbbegeisterter hatte ich Goethes Farbenlehre und Johannes Itten's " Kunst der Farbe" studiert und darüber eine kleine Arbeit verfasst.

Während des Medizinstudiums zeichnete ich Skizzen und malte Entwürfe. Schon bald auch auf Leinwände. 1963 traf ich Max Bill erstmals persönlich in meinem Elternhaus, als er mir zwei von seinen ausgestellten Seriegraphien (die ich in einer Galerie bestellt hatte) mit seinem Rolls Royce nach Küsnacht brachte: "Ich wohne ja etwas weiter oben in Zumikon und wollte den Arzt kennenlernen, der mir meine Sachen abkauft" waren seine ersten Worte an mich.
Es entwickelte sich später für lange Zeit ein enger Kontakt, besonders nachdem er mir kurz nach der ersten Begegnung gesagt hatte: "S'isch guät, was Sie machäd!"

Das war für mich die grösste Motivation. Meine Kreativität steigerte sich enorm und ich versuchte mich in noch mehr technischen Möglichkeiten: Serigraphien, Siebdrucke auf unterschiedlichen Materialien wie Leinwände, Plastik, Aluminium, Wellkarton, Holz, usw.

Ab 1994 wohnte ich in Brouzet les Alès im Languedoc-Roussillon in Südfrankreich. Das kleine, pittoreske Dorf, umgeben von Oliven- und Feigenbäumen, blühenden Lavendelfeldern und dazwischen die Düfte der "Herbes de Provence" vom Mont Bouquet wirkten sich äusserst stimulierend auf meine künstlerische Tätigkeit aus. Die Farben und insbesondere das Licht dieser idyllischen Gegend waren für mich der Himmel auf Erden.



Kurze Bemerkungen über meine jetzigen Arbeiten

Die 7 Regenbogen-Farben und Farben generell interessierten mich seit meiner Kindheit sehr.

In der Bibliothek meines Vaters in Küsnacht fand ich viele, bunt illustrierte Kunstbücher, so auch Goethes Farbenlehre von 1810, und das faszinierende Buch "Kunst der Farbe" von Johannes Itten, in dem er seinen zwölfteiligen Farbkreis erklärt. Ich liebte das Buch mit den vielen prägnanten Sätzen, es wurde zu meiner "Farb-Bibel". Itten schrieb unter anderem: "Man muss die zwölf Farb-Töne seiner Farbleiter so genau sehen und interpretieren wie ein Musiker die zwölf Töne seiner Tonleiter. Die hier entwickelte Lehre ist eine ästhetische Farbenlehre, aus der Erfahrung und Anschauung eines Malers entstanden."
Weiter schrieb er: "Das tiefste und wesentlichste Geheimnis der FARBWIRKUNGEN bleibt selbst dem perfekten Auge unsichtbar und kann nur mit dem Herzen geschaut werden". Und: "Wer von der Harmonie der Farben spricht, beurteilt damit das Zusammenwirken von zwei oder mehreren Farben."
Der Begriff Farbenharmonie muss aus der subjektiv bedingten Gefühlslage herausgehoben werden in eine objektive Gesetzmässigkeit. Harmonie heisst Gleichgewicht, Symmetrie der Kräfte.

Wenn wir durch die subjektiven Farbklänge vom inneren Sein des Menschen Aufschluss resp. Kunde zu bekommen, dann lässt sich die Art seines Denkens, Fühlens und Handelns weitgehend aus den Akkorden ablesen. Wer subjektive Farbakkorde deuten will, muss den "Gesamtklang" beurteilen, dann die Stellungen der Farben zueinander, ihre Richtungen, Helligkeiten, ihre Leuchtkraft, und ihre Mengenverhältnisse, Strukturen und rhythmischen Beziehungen.

"Das Malen eines Acryl- oder Ölbildes ist und bleibt ein grosses, seelisches Erlebnis, ein mit meinen Sinnen gestaltetes (Kunst)Werk." schrieb Richard Paul Lohse.
(Die Klammer um "Kunst" habe ich gesetzt.)


Drei "Gesichtspunkte" sind für das Verstehen meiner Malerei wesentlich:
1. Farbliche Überschneidungen
2. Komplementär Farbe
3. Versuch, eine gewisse Transparenz zu erreichen

Ad 1.
Eine frühkindliche Erfahrung: Mein Vater zauberte vor uns kleinen Kindern mit übereinander gelegter gelber und blauer quadratischer Acrylglas-Scheibe eine grüne Scheibe.
Seither liebe ich die Farbveränderungen - also Mischfarben - bei Überschneidungen:

Rot - Gelb = Orange
Gelb - Blau = Grün
Blau - Rot = Violett

Zu bemerken ist, dass dies mit lasierenden Farben nicht funktioniert. Die Sekundärfarben (orange, grün und violett) müssen aus der Tube gemischt werden.


Ad 2.
Nach längerer Betrachtung eines roten Quadrates, sieht man, wenn es entfernt wird, das gleiche Quadrat an der gleichen Stelle grün (Komplementärfarbe von rot).
Es ist eine Tatsache, dass unser Auge zu einer gegebenen Farbe ihre kom­ple­men­täre Ergänzung fordert und sie selbsttätig erzeugt, wenn die Ergänzung nicht bereits gegeben ist. Das schafft unsere grossartige Netzhaut (Retina) mit ihren Millionen "Zapfen" und "Stäbchen".

Nach Johannes Itten ist das Komplementärgesetz die Grundlage harmonischer Gestaltung, weil durch seine Erfüllung ein vollkommenes Gleichgewicht im Auge hergestellt wird.


Ad 3. Transparenz
Vor Jahren versuchten mein Lithograph und ich eine 8-farbige Serigraphie mit einem transparenten, weissen Quadrat zu "überdrucken". Es gelang. So habe ich verschiedentlich versucht auch Acrylbilder transparent zu malen.


Mal-Unterlage:
Am häufigsten ist es die Leinwand, seltener Baumwolle. Anfänglich fand ich in meiner Gegend in Südfrankreich keine Leinwände. Der Dorfschreiner fertigte mir beliebig grosse (oft zu schwere) Holzplatten (die grösste 120 x 120 cm) an. Aquarellpapier, Malkarton, Aluminium; mit Spezialfarbe auch auf Acrylglas.