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Frédéric Belser

BLAU

Wellenlänge 480 - 460 Nanometer (nm)
Schwingungszahl 650 - 700 Billionen

Violett 430 - 390 Nanometer (nm)
Schwingungszahl 760 – 800 Billionen

BLAU ist mit Abstand die beliebteste Farbe. Sie steht als Symbol für viele gute Eigenschaften: Treue, Vertrauen, Sehnsucht, Freundschaft, Harmonie, Sympathie. Die blauen Blumen, die die Treue symbolisieren: Veilchen, Männertreu, Vergissmeinnicht.
In der Romantik ist "die blaue Blume", la "petite fleur bleue", der Inbegriff der Dichtung. Noch heute ist die Sehnsucht blau, denn wie die Treue ist sie mit der Ferne verwandt. Les "contes bleues" sind "Lügengeschichten". Früher wurde Blau noch direkt mit der Lüge verbunden: einer der das Blaue vom Himmel verspricht, man kann mit ihm sein blaues Wunder erleben. Der blaue Mantel, "de blauwe Huyck", gilt in Holland als das Symbol ehelicher Untreue und des Betrugs. Im Gemälde Pietr Bruegels "Die Sprichwörter" hängt eine junge, dekolletierte Frau einem alten Mann einen blauen Mantel mit Kapuze um.

Blau wird auch als kalt empfunden. In blauen Zimmern wird die Temperatur regelmässig unterschätzt. Blau die Farbe der Kühle, der Schatten, der Ferne.

Blau ist die kälteste Farbe des Spektrums, seine Komplementärfarbe Orange die heisseste.

Die blaue Stunde ist in England und in Amerika sehr populär: Arbeitsschluss, Entspannung, bei uns Apéro).



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Blau und Alkohol

Färben: Seit Menschengedenken wird überall auf der Welt indigoblau, z.B. das Blau der Blue Jeans gefärbt. Dieser Farbstoff, eine Naturfarbe, ist wasch- und lichtecht. Er kann aus vielen verschiedenen Pflanzen gewonnen werden. In Europa wurde der Farbstoff aus dem Waid (Isatis tincto) gewonnen. Waid ist eine kerzengerade wachsende Staude von 30 - 140 cm Höhe.
Die Kelten färbten ihre Gesichter blau um Cäsar's Truppen zu erschrecken. Auch Karl der Grosse befahl den Anbau von Waid. Die Blätter wurden während ca. 3 Tagen an der Sonne getrocknet. Schien die Sonne nicht, konnte es mehr als eine Woche dauern.
Der Export war finanziell interessant. In einem an die Sonne gestellten Bottich mit 600 Liter frischem, menschlichen Urin und 25 kg getrockneten Waidblätter begann die Urin-Waid-Brühe zu gären. Dabei entsteht unter anderem Alkohol, dieser löst den Farbstoff Indigo aus den Blättern. Für die zweite Gärung wurde der Blättermaische Salz beigegeben, der Bottich wieder randvoll mit Urin gefüllt und während 6 - 8 Tagen Wartezeit dauernd umgerührt und nachgefüllt. Abgesehen vom "Odeur" war Blaufärben eine relativ angenehme Tätigkeit: die Färber arbeiteten im Freien an der Sonne und es gab reichlich zu trinken (Urinproduktion).
Wenn sie an der Sonne lagen, wusste jeder: die machen "blau" und waren meistens "blau" (betrunken). Abgesehen vom "Odeur" war Blaufärben eine relativ angenehme Tätigkeit.
Nur in der deutschen Sprache sind Betrunkene blau, und nur in unseren Breitengraden ist es so schön, blau zu machen. Nach dem Waid kam das Indigo aus Indien, dreissigmal ergiebiger und sein Blau viel leuchtender als waidblau.


Kunst:
"Die blauen Reiter" war eine Künstlervereinigung, die 1911 einige ihrer Werke in einem Almanach (Jahrbuch) drucken liess. Ein Gespräch in Murnau (Oberbayern) im Garten des Russenhauses zwischen den Malern Franz Marc und Kandinsky ist überliefert:
Franz Marc, 1880 – 1916 in Verdun, sagt: "Blau ist die einzige Farbe, bei der ich mich dauernd wohlfühle. Wenn ich ein Tier wäre, wäre ich ein blaues Pferd."
Wassily Kandinsky (1866 – 1944) antwortet: "Wir beide lieben Blau: Franz Pferde, ich Reiter."